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Reisecenter Türkei

Reisecenter Türkei

 

 

 

 

 

Der Hirte und die zwei Orangen

Zu Fuß und per Bus durch die Nationalparks der Südtürkei

 

Ein Kanadier kam nach Berlin und fragte zwei vorübergehende Polizeibeamte nach dem Weg zum Kurfürstendamm. Die beiden zuckten mit den Schultern. Verdutzt erkundigte er sich: "Do you speek english?"

"No", erwiderte der eine Beamte.

"Parlez-vous français?" 

"Non."

"¿Habla usted epañol?" 

Und die Polizisten zuckten mit den Schultern. Entnervt winkte der Kanadier ab und überquerte die Straße. Da sagte der eine Polizist  zu  seinem Kollegen: "Du, der konnte aber viele Sprachen."

"Na und", antwortete der andere: "Was hat es ihm genützt." Und ebenso ergeht es uns, Stan und mir, jetzt, als wir mit dem Taxi vom 15 Kilometer östlich entfernten Flughafen nach Antalya fahren. Wie geben wir dem Fahrer zu verstehen, wo wir aussteigen möchten.

 

 

 

Am Atatürk-Denkmal verlassen wir das Taxi. Und gleich werden wir angesprochen: Taxi, Hotel, Pension und: "Ich habe einen Freund." Wir wehren ab. Wir suchen eine bestimmte Herberge. Doch beständig wird uns versichert, dass diese Pension im Bau sei, gerade geschlossen ist oder gar, sie würde nicht mehr existieren.

Palmengesäumte Boulevards laden zum Bummeln ein, Boutiquen, Kaufhäuser und Geschäfte zum Shopping. Und je näher wir dem Meer kommen, desto vornehmer werden die Häuser. Auf die Altstadt konzentriert sich der Tourismus mit ihren engen, schattigen Gassen inmitten der osmanischen Häuserpracht. "Moment mal", sagt Stan: "Dafür, dass die Pension abgerissen sein sollte, sieht sie doch recht hübsch aus."

Türkei Reise - Im Olypos Nationalpark, 2000 - Reisereportage

Wanderung im Olympos Nationalpark

Noch als wir über den Zimmerpreis verhandeln, läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Der Inhaber spricht von einem reichlichen Frühstück und dem Blick auf das Meer. Zwischendurch erzählt er uns von seiner Zeit, die er in Deutschland verbrachte, es sei schon über 20 Jahre her, vom Autohaus, in dem er dort arbeitete und von dem Geld, welches er gespart hat, um diese herrliche Pension zu betreiben, in der wir jetzt wohnen dürften. Wir nehmen das Zimmer ohne Blick auf das Meer, aber mit dem großem Frühstück.

 

Termessos Nationalpark

Genau so hatten wir uns das vorgestellt. Ein mageres Frühstück, spärliche Informationsbereitschaft der Stadtbewohner und 100 Euro an einem Tag ausgeben. Sollte es doch anders kommen? "Endlich raus aus Antalya", meine ich. Stan nickt zustimmend. Aber wir werden das Gefühl nicht los, dass uns der Taxifahrer übers Ohr gehauen hat. Und langsam steigen wir den Berg hinauf nach Termessos.

Völlig bizarr wirkt die Szenerie der antiken Stadt, hunderte von Sarkophagen, kleine und große,  schlichte  und  reich   verzierte  Grabdenkmäler, liegen oder stehen im dünnen Grün der Bergeichen. Uns überkommt ein nachhaltiges Gefühl von Vergänglichkeit. Der Marktplatz, Agora, das Herz der antiken Stadt ist völlig überwuchert. Angrenzend das Gymnasium, der Opferbezirk Heroon und inmitten des Platzes fünf große Löcher, wo sich unter dem Marktplatz die überlebensnotwendigen Zysternen befanden. Im 3.Jh. wurde die Stadt durch ein Erdbeben zerstört, erst 1842 von englischen Archäologen wieder entdeckt und seit 1970 zum Nationalpark Termessos erklärt. Auf der kleinen Freifläche, wenige Meter entfernt vom Amphitheater verbringen wir die Nacht.

 

Olympos Nationalpark

Mit einem Liter Wasser nehmen wir den Abstieg, vorerst steil über die eingestürzten Gebäude der Vorzeit und ab dem Parkplatz die asphaltierte Straße zum Eingang des Nationalparks. Dort treffen wir auch den Hund wieder, der gestern um unser Zelt schlich. Jetzt kläfft er, als wolle er uns davon jagen. Wir gehen flinker.

Schnell winken wir einen Dolmus, Sammeltaxi, heran, der uns zurück nach Antalya bringt, von wo wir weiter nach Olympos gelangen. Die Verbindung ist gut, so erreichen wir die Stadt am frühen Nachmittag und quartieren uns für fünf DM in einem Tree-Houses ein. Die verbleibende Zeit bis zum Abend nutzen wir, um ein Bad am 500 m entfernten Strand von Olympos zu nehmen und die Gegend zu erkunden. Zwei Steinsarkophage, eine Brücke und die spärlichen Reste einer byzantinischen Kirche. Selbst das Theater ist in einem traurigen Zustand, nicht einmal halb so gut erhalten wie jenes in Termessos.

Auf dem Rückweg zur Unterkunft kaufen wir noch ein Brot beim einzigen Händler an der Straße. "Frisch gebacken", betont er in englischer Sprache. Es ist noch warm.

 

Türkei Reise - Im Termessos Nationalpark April 2000 - Reisereportage

Stan im Termessos Nationalpark, April 2000  

Türkei Reise - Im Olympos Nationalpark April 2000 - Reisereportage

  Stan und ich im Olympos Nationalpark

 

Plötzlich schrecken wir aus unseren Betten. Die Hühner, die unter unserem acht Bett-Baumhaus wohnen, werden von einem Hahn angetrieben. Einschlafen? Nochmals? Keine Chance, also packen wir: Karte, Kompass, Brot und Messer, auch unsere Taschenlampen dürfen nicht fehlen, sind schnell zusammen gepackt. Einen Pullover für den kühlen Morgenwind wird übergestreift. "Abmarsch", stellt Stan trocken fest. Diesmal nicke ich zustimmend.

Der Sandstrand von Olympos ist schnell erreicht, dort wo ein kleiner Fluss kristallklar ins Meer mündet. Die edlen Jachten, die noch gestern in der Bucht ankerten, sind verschwunden. Der Strand ist leer. Wir halten uns links und steuern geradewegs auf den kleinen Ort Çirali zu. Das Dorf besteht größtenteils aus Bungalows und Pensionen. Etwas entfernt tauchen die Wohnhäuser der Einheimischen auf, ein Lebensmittelgeschäft, welches eher einer Tankstelle gleicht und eine Moschee. Und noch ehe die ersten Menschen auf die Straße treten, erreichen wir den Schotterweg, der uns zum Parkplatz führt, von welchem sich ein Pfad zu den ewigen Flammen, Chimaira, hinaufschwingt.

 

30°C, den Bergziegen scheint die Temperatur nichts auszumachen, geschickt bewegen sie sich auf dem felsigen Boden und fressen aus Herzenslust. Wir haben einen schattigen Platz an einer Mauer der nahe gelegenen Ruine gefunden. Die ersten Touristen erreichen das Flammenfeld. "Deutsche", sage ich. Es wird lauter. Ein Junge versucht mit seinen Füßen einige Steine in eine Flamme zu schieben, um sie zu löschen: "Vati! Schau mal", schreit er. Die Eltern reagieren nicht...

 

Der Hirte

Nach etwa einer halben Stunde, wir haben uns den steilen Weg hinaufgetragen, erfüllt uns die Ruhe wieder. Der kleine Bergsattel rechts neben dem zweiten Flammenfeld belohnt uns mit einer wunderbaren Aussicht auf die Bucht von Çirali und die Beydaglari-Berge. Vor unserstreckt sich ein vegetationsloser Hang, den einige Bergziegen bevölkern. "Lass uns was essen", sage ich. Also lassen wir uns auf einem Stein nieder und breiten unsere Vorräte aus. Wir greifen zu und unsere Blicke schweifen.

"Hörst du das?" fragt Stan. 

"Was?" 

"Da ruft jemand."

"Ja... das kommt von der anderen Seite des Berges." Gespannt schauen wir den Pfad hinab. Wieder ertönt ein Ruf. Und dann taucht ein Mann auf. Sein Körper ist klein, aber kräftig, mit einem zum Kinn spitzen Gesicht, eingerammt von einem Bart,  der leicht ergraut ist.  Er setzt sich vor uns auf den Boden, spricht uns an. Wir reagieren mit einer Geste, dass wir nichts verstehen. Und er reicht uns ein Stück Fladenbrot. Lächelnd lehnen wir ab. Dann weist er in die Ferne. Es sind seine Ziegen. Er kennt die Berge, er lebt hier. Das ist sein zu Hause. Wir sehen ihn nur an, und er redet. Ab und zu reißt er ein Stück von seinem Brot ab und schiebt es in seinen Mund. Verbrachte er sein ganzes Leben hier? Wovon lebt er? Lebt er allein? Womit handelt er, mit dem Fleisch, der Milch von den Ziegen? Wo verkauft er sie? Und ist er zufrieden, so wie er lebt?

 

 

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Der Pfad führt diagonal zum Hang. Kurz steigt er hinauf, um uns in das dahinterliegende Bachtal des Ulupinar Çayi zu führen. Wir folgen dem Flüsschen bis uns eine rote Pfeilmarkierung zum Überqueren auffordert. "Was sagt die Karte?" frage ich Stan. Wir sind unschlüssig: "Der Weg müsste nach Ulupinar enden." 

"Immer diese Floskeln", entgegne ich.

"Wir folgen dem Bach", bestimmt Stan. Bis wir auf einer Lichtung stoppen. Kein Weg, keine Markierung. Vorsichtshalber merken wir uns die Koordinaten und folgen der Kompassnadel in südlicher Richtung, bis ein Gatter unser Vorankommen bremst. Aus dem Bach ist ein kleiner Fluss geworden. So das wir uns kurzerhand entscheiden, ihn zu überqueren. Doch auch auf dieser Flussseite ist kein Weg erkennbar. Wir schlagen uns durch das Dickicht. Der Boden ist aufgeweicht, so dass wir bis zu den Knöcheln in den Moorrast sacken. "Zum Glück sind die Schuhe dicht", rufe ich nach Stan, der voraushastet. Er reagiert nicht. Ich rufe nochmals. Nichts. Erst als ich neben ihm stehe, sehe ich den Grund. Aus einem Stück Fels schießt eine Wasserfonthaine zwei Meter in die Luft. Vor dem Fels hat sich ein kleiner Teich gebildet. Noch näher können wir nicht herantreten, da wir abermals bis zu den Knöcheln im Wasser stehen.

Türkei Reise - Karte Südtürkei - Reisereportage

Noch zwei Mal überqueren wir den Fluss, bis wir auf einen Waldweg stoßen. Und bald treffen wir auf eine alte Hütte in einem Orangenhain. "Bah", zischt Stan und spuckt die angekaute Orange auf den Boden: "erst kommen wir nicht rann und dann schmecken sie nicht."

"Das hätten wir wissen sollen. Es ist April", erwähne ich und beiße trotzdem in eine mühvoll geangelte Orange: "Bah." Stan lacht.

"Wie geht's jetzt weiter?"

"Zeig' mal die Karte?" Ich reiche sie ihm: "Wenn wir dem Flusslauf folgen, kommen wir an der Bucht von Çirali raus."

Gesagt, getan. Der Weg wird besser, den kleinen Steinhang hinauf. Das ist die Zufahrtsstraße nach Çirali. Und kaum sind wir zehn Meter auf ihr gegangen, stoppt ein klappriger Kleinbus. Eine Seitentür springt auf. Hände winken uns zu. Wir rennen einige Meter, dann sitzen wir im Bus. Zwei Männer mittleren Alters reden auf uns ein. Und wir verstehen, wie immer: Nichts. Doch sie sind freundlich und laden uns an einem Imbiss in Çirali aus.

 

Türkei Reise - Ewige Flammen, oberes zweites Feld, 2000 - Reisereportage

Am oberen zweiten Feld der Ewigen Flammen

Türkei Reise - Hirte im Nationalpark, 2000 - Reisereportage

  Der Hirte im Olympos Nationalpark

 

Schon von weiten ruft uns der Betreiber des einzigen Lebensmittelladens, wo wir gestern ein Brot erstanden zu. Auch er winkt uns näher, hält zwei Orangen hoch und wirft sie uns vom Dach seines Hauses zu. Stan ist geschickter und schneller als ich, er fängt eine, während meine im Gras landet und ich beinah dazu. Wir bedanken uns mit einem Winken und kehren in unsere Unterkunft zurück.

Gegen Abend verzieht sich der Himmel. Blitze zucken. Es regnet. Und wir vertiefen unsere Gedanken in ein warmes Abendessen. Gitarren klingen, selbst ich lasse mich zu einigen Stücken überreden. Wir lauschen dem Knacken des Lagerfeuers, um welches sich Rucksacktouristen aus den verschiedensten Ländern versammelt haben. Sie alle übernachten hier. Einmal wird die Ruhe gestört: "Die Nachtwanderung zu den ewigen Flammen. In  einer  halben Stunde, Treffpunkt am Eingang", ruft, der  im  Tree-House-Hostel angestellte Führer.

 

Phaselis, noch eine antike Handelsstadt, spazieren zwischen den Ruinen im duftenden Pinienwald, Kemer, wo viele russische Bürger gern urlauben und die Höhlen von Beldibi. Das werden wir in den uns verbleibenden Tagen entdecken dürfen. Stan würde bei dem Anblick dieser Kulturschätze gern Archäologe sein und ich, meine türkischen Kenntnisse verbessern. Aber wir, wir sprechen vor dem Einschlafen noch von dem Hirten und den zwei Orangen.

 

Veröffentlicht:

April 2005 - Trotter

Heft 113

Türkei Reise - Beldibi, 2000 - Reisereportage

In Beldibi                                             

Türkei Reise - Antalya, 2000 - Reisereportage

   Am Strand von Antalya

Türkische Weisheit:

"Das Tier stirbt, der Sattel bleibt; der Mensch stirbt, sein Name bleibt."

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