auf-weltreise.de

 

 

Reportagen - Bücher - DVD - Reiseberichte - Buch Fotogalerie - Fotos - Fotografie - DVD - Fineart Presse - Referenzen - Angebote - Pessemitteilung - Bücher - Fineart - Kalender - DVD - Buch Media Produkte - Dia - Referenzen - Angebote - Vorträge - Termine - Fotos - Kalender - DVD - Bücher - Fineart Reiseinformationen - Länderinformationen - Reisevorbereitung - Reiseführer Edition Eurasien - Reisecenter - Reisen - auf-weltreise-shop - Bücher - DVD - Kalender - Vietnam - Südostasien - Eisenbahn Übersicht - Sitemap - Suchen - Bücher - Kalender - Bilder - Poster - DVD - Fineart Impressum - Bildjournalist, Reisejournalist und Autor (Europa, Frankreich, Zentralasien, Russland)

  Startseite

Länderinformationen Vietnam     Reiseführer    Zurück    Reisereportagen    Seitenende   

 

 

 

Onkel Ho

Der gefangene Geist des Ho Chi Minh in Hanoi

DVD - Fineart Drucke

 

Im gläsernen Sarg, eingetaucht in rotes Licht, wird der Leichnam des größten Freiheitshelden Vietnams in einem klotzigen Mausoleum aufbewahrt. Es ist ein gespenstischer Kult, der um ihn getrieben wird. Und ein Verrat an seinem letzten Willen. Denn Ho Chi Minh wollte weder ein Staatsbegräbnis noch ein Staatsmausoleum.

 

 

Vier Tage in der Woche, von Dienstag bis Freitag können ihn die Besucher begutachten. Lediglich in den Monaten Oktober und November müssen sie sich beherrschen. Da wird er generalüberholt. Schließlich soll er nicht zusammenfallen, keine Spuren der Verwesung zeigen wie sein Kollege im fernen Moskau.

 

So stehe ich an diesem Freitag pünktlich um 8 Uhr am Eingang zum Mausoleum am Ba-Dinh-Platz. Der Platz selbst ist abgesperrt. Polizisten riegeln ihn, der größtenteils für Aufmärsche zu parteilichen Anlässen genutzt wird, ab. Zufahrtsstraßen werden mit Einbahnstraßenschildern bestückt. Verkehrspolizisten weisen die ankommenden Reisebusse ein. Touristen kommen immer, aus Japan, Deutschland, Frankreich und Amerikaner sogar. Es gehört zum Programm sagen die einen, so eine Prozedur muss man erlebt haben, die anderen. Dieser Prunk, dieser Protz ist nötig, um auf sich aufmerksam zu machen, höre ich aus der Schlange, welche sich langsam formiert.

 

Vietnam - Onkel Ho - Der gefangene Geist des Ho Chi Minh - Reisereportage

Vietnam - Onkel Ho - Der gefangene Geist des Ho Chi Minh - Reisereportage

 

Tradition des Ahnenkultes

Noch haben die Ordnungsfrauen mit stahlharter Miene nicht viel zu tun. Die erste Gruppe von etwa dreißig Personen darf eintreten. Eine Ordnungsdame stellt sich hinter die letzte zugelassene Person. Wir rücken vor. Eine Glastür wird aufgesperrt. Vor uns ein Röntgengerät, wie es auf Flughäfen zu Personen- und Taschenkontrollen eingesetzt wird. „Fotokamera“, die knappe Aufforderung. „Open“ und die junge Frau weißt fordernd auf meine Jacken, keine Geste der Freundschaft, kein Lächeln. Wovor haben sie Angst, vor einem Anschlag, vor einem Bild, das ich nehmen könnte, von ihrem geliebten Ho. Oder könnte ich ihm womöglich seine Seele rauben?

 

Ahnenkult hat eine lange Tradition in Vietnam, in jedem Tempel, in jeder Pagode kann man ihn heute wiederfinden. 17 Jahre gab es nur einen Ahnen, einen öffentlichen Ahnen, während die anderen heimlich zu Hause in den kleinen Tempelchen im Wohnzimmer verehrt wurden. Ein Tempel wurde hier errichtet. Ein Klotz, der viermal größer sein soll, als das Lenin-Mausoleum in Moskau. Nach dessen Vorbild wurde nicht nur dieses Bauwerk errichtet. Auch die Struktur des Kultes einer Partei, die es verlernt hatte, einen Mann zu ehren, der sich für sein Volk aufopferte. Wer soll wem die Seele rauben? Mit einem Bild von einem Toten, dem man seinen letzten Willen verwehrt.

 

Mit Trillerpfeifen befehlen die Beamten der Volkspolizei dem Besucher: Bleiben sie in der Reihe, in Zweierreihen. Und ehe der letzte Tourist begriffen hat, seine Kopfbedeckung endlich abzunehmen, haben sie uns sortiert, beinah im Gleichschritt, in Zweierreihe sind wir aufgerückt. Hinter uns, zwanzig Meter entfernt, versucht die zweite Gruppe, ebenso dreißig Leute aufzuschließen. Keine Chance, eine Trillerpfeife ertönt. Kein Wort kein Satz, lediglich dieser schrille Ton der Pfeife schafft Ordnung. Linksschwenk Marsch. Wir betreten den roten Teppich, geradewegs zum Vordereingang des Mausoleums.

 

 

Fineart Print, FineArt, Foto, Bilder, Fotografie, schwarz weiß, Drucke

 

Freiheit nach dem Tod?

Ein paar Stufen hinauf, vier Soldaten weisen den Weg. Linksschwenk Marsch. Vor uns an der Wand ein Zitat, wohl das wichtigste von Ho Chi Minh: „Es gibt nichts wichtigeres als die Freiheit.“

 

Seit mehr als dreißig Jahren ist Onkel Ho, wie ihn die Vietnamesen oft nennen, nun schon Tod. Doch die Partei kann nicht von ihm lassen. Besonders in einer Zeit, wo die Korruption stärker wächst, als in den ersten fünfzehn Jahren der jungen Republik. Selbst in den Reihen der eigenen Regierung nimmt die Verschwendungssucht immer mehr zu. Da hilft der Geist dieses einzigartigen Mannes, mit seinen revolutionären Ideen, seiner harten Arbeit, seinem spartanischen Leben im Dienst des vietnamesischen Volkes. Viele sollen anpacken, wenige dürfen profitieren. Da ist man sich nicht zu schade, ein Bild Ho’s auszugraben, worauf er gerade einen Mittelständigen Betrieb betritt. Ho Chi Minh wollte schon immer Privatwirtschaft, erklärt man. Beruht doch seine „Declaration of Independence“ auf der Freiheitserklärung der Französischen Revolution und der Unabhängigkeitserklärung Amerikas, nicht auf Marx oder Lenin, dessen Thesen heute in den Schulen gelehrt werden. Werden sie auch verstanden? Oder werden die Menschen ebenso betrogen wie Ho Chi Minh.

 

Rechtsschwenk, Marsch, die Treppe hinauf. Eiserne Blicke der Soldaten. Die Luft wird spürbar kühler. Nur nicht stehen bleiben, Treppe, Stufen hinauf.

 

Vietnam - Onkel Ho - Der gefangene Geist des Ho Chi Minh - Reisereportage

Vietnam - Onkel Ho - Der gefangene Geist des Ho Chi Minh - Reisereportage

 

Aufgebahrt im rotfarbenen Spotlight

Zwischen 1973 bis 1975 mit etlichen Baustops, wegen der Bombardierung Hanois, wurde dieser Klotz, welcher Dank des riesigen Platzes davor, doch nicht so klotzig wirkt, errichtet. Ein Bauwerk, das er nie wollte, ebenso kein Staatsbegräbnis. Eine einfache Einäscherung hat er sich gewünscht, kein Pomp, keine Verschwendung. Und was wäre nicht größere Ehre für diesen Mann gewesen, als ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Und das Geld, anstatt für den Bau dieses Mausoleums, in die Wirtschaft, die Bildung und das Gesundheitswesen zu investieren. 

 

Rechtsschwenk Marsch, den Blick nach links gewendet. Da liegt er, aufgebahrt im rotfarbenen Spotlight, Onkel Ho im gläsernen Sarg. Und ebenso leblos, lediglich mit offenen Augen stehen vier Soldaten an jeder Ecke des Sarges. Nur nicht stehen bleiben, Marsch, Marsch. Keine Sekunde verweilen im Gedenken an diesen Ahnen. Hier ist das strengstens verboten, was in Tempeln und Pagoden wieder öffentlich erlaubt ist. Verweilen, nein. Onkel Ho ist noch nicht angekommen, dorthin, wo er glaubte alle die großen Geister, wie Marx und Lenin zu treffen.

 

Zwanzig Sekunden und die brütende Sonne erwärmt unsere Gesichter. Schnell löst sich die Gruppe auf, dreißig Leute, die noch eben in Zweierreihe vereint, hintereinander schritten. Liegt hier der letzte Kommunist des Landes Vietnam?

 

Veröffentlicht:

Eurasisches Magazin

März 2007

Vietnam - Onkel Ho - Der gefangene Geist des Ho Chi Minh - Reisereportage

 

Vietnam - Onkel Ho - Der gefangene Geist des Ho Chi Minh - Reisereportage

 

 

 Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen     Impressum    Zurück    Seitenanfang   

  Copyright © 2011  Jan Balster Alle Rechte vorbehalten. (Bildjournalist, Reisejournalist, Autor und Globetrotter)

Anzeigen

Bilder - Fotos - digitale Bildagentur - Fotografien von Jan Balster Kalender - Wandkalender - Zentralasien - Mongolei - Transsib Transsibirische Eisenbahn - Kirgisien, Kirgistan, Kirgisistan - Baikal - Goldener Ring - Moskau - Seidenstrasse