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Die rätselhaften Steine von Carnac

Frankreich Reiseführer - mehr als 3000 Menhire in der Südbretagne

Carnac, ein kleiner Badeort im Morbihan an der Bucht von Quiberon, liegt an der bretonischen Riviera, an der Atlantikküste der Bretagne im Norden Frankreichs. Sein Name leitet sich von Carn, dem englischen Wort Cairn, Steinhügel, ab. Der Besucher kann sich hier auf Muschelsuche begeben oder sich in den kleinen Bars des Städtchens verwöhnen lassen. Doch der Ruhm dieser Stadt liegt in erster Linie in der größten Menhir-Ansammlung der Welt begründet.

 

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Gelände der Megalithen:

Wenn wir nun auf der Avenue des Druides zwei Kilometer landeinwärts gehen, treffen wir auf eine ganz andere Welt, auf eine weite, stille Heidefläche, auf eine Armee von Steinen. Geordnet in Reihen beginnt hier ein Meer von 2.935 Menhiren, eines der letzten Geheimnisse europäischer Geschichte. Legenden wurden erzählt, Fragen gestellt und Antworten gesucht. Viele bedeutende Persönlichkeiten beschäftigte das Rätsel dieser Steine, die zwischen den Dörfern Kermario und Le Ménec stehen. Gustave Flaubert erklärte: „Wenn man mich nach so vielen Ansichten fragt, welche meine sei, so werde ich eine unwiderlegliche, unabweisbare, unwiderstehliche aussprechen... und diese Ansicht ist: Die Steine von Carnac sind große Steine.“

Eins ist sicher, schon Julius Cäsar bestaunte seinerzeit jenes steinerne Heer. Bedauerlicherweise ist nicht überliefert, welche Geschichten ihm die Gallier über sie erzählten. Sicher ist lediglich, weder die Römer und Gallier noch die Kelten haben diese Steine gesetzt. Fest steht, dass sie gegen Ende der Jungsteinzeit, etwa 3.000 Jahre vor Christus aufgestellt wurden. Doch das Volk, welches diese Meisterleistung schuf bleibt unbekannt. Fühlte es sich nicht mehr geborgen inmitten der Natur? Wollten sie den uralten Traum, den Tod besiegen, dem Leben Dauer verleihen, verwirklichen. Viele dieser stummen Zeugnisse der Megalithkultur finden sich in Malta, Sardinien und Stonehenge, von allen weiß man, wer sie errichtete, doch die in Carnac bleiben ein Rätsel. So nimmt man an, dass es sich hier um ein seefahrendes Volk handelt, da beinah alle Menhire und Dolmen in Sichtweite zur Küste stehen. Es gibt so große Menhire, die oft über viele Kilometer an ihren heutigen Standort transportiert wurden, welche man noch 20 Kilometer vom Meer entfernt erkennen kann. Es muss ein Volk gewesen sein, welches eine hoch entwickelte Sozialstruktur besaß, da es ein hohes Maß an technischer und organisatorischer Leistung bedarf, jene Steine aufzurichten.

Während die ersten Steine kaum 60 Zentimeter hoch sind, ragen die größten vier Meter aus der Erde. Die letzten formieren sich zum Cromlech, Kreis genannt, wahrscheinlich ein Kultplatz, auf welchem sich beinah tausend Menschen versammeln konnten. Die drei riesigen Anlagen ziehen sich mit ihren 2.935 Steinsetzungen von Südwest nach Nordost über vier Kilometer. Alignements nennen die Franzosen diese Reihen. Könnten es Friedhöfe gewesen sein? Gräber wurden bei den Menhiren gefunden. Ob sie jünger als die Steine sind, werden weitere Forschungen ergeben. Allerdings beweisen Opfergaben, dass die Menhiren ihren Schöpfern heilig waren. Bewiesen ist, dass es sich bei den Dolmen um Grabkammern handelt. Doch, was auch immer sie jenem unbekannten Volk bedeutet haben mögen, kein Mensch, der sie je gesehen und erlebt hat, kann sich ihrer Wirkung entziehen. Und auch wenn das Christentum diese Steinemale als heidnisch zunächst ablehnte, integrierte sie diese später in ihre Glaubenswelt. So haben sich viele heidnische Vorstellungen und Bräuche bis heute in der Bevölkerung erhalten, zum Beispiel die, dass Steine zur Fruchtbarkeit verhelfen.

 

   

  Veröffentlichungen

     

 

"Russland 2015" Städte und Landschaften entlang der Transsibirischen Eisenbahn - Kalender - A3 quer, Moskau, Sibirien, Baikal, Zug, 2011

 

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Le Ménec: Hier befindet sich die größte Gruppe von dicht beieinander stehenden Menhiren. Der Halbkreis, in welchem die Steine angeordnet sind, wird durch die Häuser der Ortschaft beinah verdeckt. Die 70 Menhire haben eine durchschnittliche Höhe von 1,20 Metern.

Kermario: Die hier befindlichen Dolmen und Menhire werden auf ein Alter von 6.000 bis 6.500 Jahre geschätzt und dienten höchst wahrscheinlich als Grabstätte.

Schutz der Anlage: Durch das ständige Betreten war die Erhaltung der Megalithen nicht mehr gesichert. Somit findet der Besucher heute die meisten Anlagen umzäunt, welches den Zauber keineswegs stört. Damit kann sich die natürliche Pflanzenwelt wieder entfalten, was gleichzeitig zur Festigung des Bodens beiträgt. Aus diesem Grund ist das Innere des Geländes nur zwischen November und März für den Besucher freigegeben. Informationen stellt das Prähistorische Museum in Carnac zur Verfügung.

 

Kleines Lexikon:

Cairn: Steinansammlung um Grabstätten

Cromlech: kreisförmig angeordnete Menhire, keltisch: Steinkreise.

Dolmen: Hünengräber bestehen aus drei Steinen, zwei in der Erde senkrecht stehende, worauf ein Stein waagerecht liegt. Sie dienten als Grabstätte.

Bretonisch: dol-men, Steintisch.

Enceinte: Rechteck oder Kreis aus Menhiren

Megalith: griechisch: mégas-lithos, großer Stein

Menhir: bretonisch: ar-men-hir, langer Stein, Hinkelstein. Ein aufrecht stehender Stein.

Tumulus: allgemein Grabstätte, eine Anhäufung von Steinen oder Erde.

 

Prähistorisches Museum von J. Miln und Z. Le Rouzic:

Das Museum zeigt die reichste prähistorische Sammlung der Welt. Es zeichnet die Entwicklung des Menschen in der Bretagne vom Paläolithium (45.000 Jahre vor Christi) bis zum Mittelalter nach. Um 1850 beginnt der Schotte James Miln (1818 – 1881) mit seinen Ausgrabungen rund um den Ort Carnac. Zwanzig Jahre später verpflichtet er das Kind Zacharie Le Rouzic (1864 – 1939) ihm zu helfen, eine erste Sammlung anzulegen. Als er auf einer Reise nach Glasgow 1881 stirbt, vermacht er diese Sammlung der Stadt Carnac. Sein Bruder Robert lässt einige Jahre später dort ein Museum errichten. Zu dieser Zeit ist auch das Interesse des jungen Le Rouzic soweit vorangeschritten, dass er neben seiner Sammelleidenschaft zum Prähistoriker, Spezialgebiet Region Carnac, aufsteigt. Er wird ebenfalls seine Sammlung nach seinem Tod der Stadt Carnac spenden. So konnte Carnac 1978 dieses Museum eröffnen.

Im Museum selbst ist alles chronologisch und innerhalb der Zeitspannen thematisch geordnet. Es enthält eine reichhaltige und zugleich interessante Sammlung von etwa 6.600 ausgegrabenen Gegenständen, angefangen von kleinsten Scherben, Keramik, Werkzeugen bis hin zu Feuersteinen und polierten Äxten. Das Museum versucht, das Leben unserer Vorfahren aufzuzeigen, ihre Steinarchitektur und Riten besser zu verstehen. Im Mittelpunkt steht besonders die noch heute um Carnac zu sehende Steinarchitektur, die Megalithe und Dolmen. Hierbei wird ein Augenmerk auf den angenommenen Totenkult gelegt.

Für Kinder zwischen 8 und 12 Jahre wurde ein besonderer Rundgang entwickelt, der unter der Leitung von Neo, einer erfundenen Figur, abgehalten wird.

   
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Anreise:

PKW: über die Autobahn A11 – Paris/ Rennes, Abzweig E50 Richtung Lorient-Auray bis zur Abfahrt Carnac. Der Ort befindet sich an der D 781.

Zug: von Paris mit dem TGV nach Auray, im Sommer täglich sechs Mal hin und zurück. Im Winter täglich vier Mal, an den Wochenenden fünf Mal hin und zurück. Stündlich zwischen 8 und 22 Uhr verkehren Linienbusse zwischen Vannes und Quiberon, Halt in Auray am Bahnhof und in Carnac.

Bus: siehe Zug, zusätzlich halten die Überlandbusse von Auray nach Genf, Lyon, Metz und Strasbourg in Carnac. Die Bushaltestelle befindet sich vor der Touristeninformation, 74 Avenue des Druides.

Zu Fuß: Das Museum befindet sich direkt neben dem neuen Rathaus (hôtel de ville), Rathaus ausgeschildert. Zum Gelände der Megalithen folgen sie der Avenue des Druides circa zwei Kilometer nach Norden, vom Strand weg.

Stadtinformation zu Carnac

  

   

 

 

 

 

 

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