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Mit Fotos Geschichten aus der Ferne erzählen

FotoWelt: (Autor: Marius von der Forst, Auszug) Es ist nicht ganz einfach, anderen Menschen zu erklären, was uns an einem Land oder während einer Reise fasziniert. Sehenswürdigkeiten ja, aber vor allem Emotionen. Verpacken Sie die doch einfach in eine Foto-Geschichte

Fotografie - Mit Fotos Geschichten erzählen - BilderPerspektivisch schlecht geschossene Sehenswürdigkeiten, das x-ste Foto der Liebsten: So lassen sich mindestens 90 Prozent der Urlaubsfotos zusammenfassen, die Sommer für Sommer fotografiert werden. Wer da schon ein wenig mehr vom Fotografieren versteht, der sorgt dafür, dass Personen zumindest nicht zentral auf dem Foto zu sehen sind ...

... Sonne, Basar, Gerüche, Menschen, Sprachen, Sand – all dies kann auf einer Reise Gefühle auslösen. Und die sollen nun aufs Foto. Da stellt sich die Frage: Reicht es, wenn man diese Gefühle hat, obwohl man nie zuvor an dem Ort des Geschehens war? Oder ist es wichtig, den Ort der Reise schon zu kennen, um professionelle Fotos schießen zu können? „Es ist ganz wichtig, den Ort im Vorfeld zu kennen“, sagt Jan Balster, „ vorher habe ich viele Stimmungen im Kopf, die überwiegend durch fremde Bilder entstehen“. Und dennoch sei er auch dafür offen, unvoreingenommen auf eine Fotoreise zu gehen. Letzteres bevorzugt auch die Heike Kaufhold vom Reiseblog Köln Format : „Ich liebe es, gerade solche Orte aufsuchen, von denen viele sagen ’Hier gefällt es mir nicht’ oder ’der Ort war hässlich’“, sagt sie, „das macht mich neugierig“ ...

 

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FotoWelt (Oktober 2014)                                 Auszug aus FotoWelt

Sprachen sind sehr nützlich

Jan Balster arbeitet als Bild- und Reisejournalist. Mit dem Auto, Fahrrad, auf dem Pferd oder zu Fuß bereiste er die verschiedensten Länder der Welt. Russland und Zentralasien sind seine Favoriten; noch in diesem Jahr erscheint von ihm ein Bildband über die Mongolei. Wir sprachen mit ihm über das Fotografieren von Menschen auf Reisen.

Wenn Sie Menschen fotografieren, fragen Sie da erst oder haltenSie direkt die Kamera drauf?

Jan Balster: Respekt ist die erste, zweite und dritte Regel. Immer fragen, egal in welchem Land, egal wie viele oder wenig Richtlinien oder juristische Spitzfindigkeiten – wie in Deutschland – existieren. Ein „Nein“ muss unbedingt akzeptiert werden. Besonders materiell arme Menschen möchten oft nicht fotografiert werden und trotzdem existieren tausende Menschenbilder besonders von Afrikanern und Asiaten, welche sich juristisch nicht wehren können.

Besteht denn nicht die Gefahr, dass das authentische Motiv verloren geht, wenn man im Vorfeld fragt?

Jan Balster: Wenn die Szene durch meine Frage nicht verändert wird, so erbitte ich die Fotoerlaubnis vorher. Ansonsten frage ich erst nach dem Auslösen. Dann mache ich aber aus Respekt noch ein paar Fotos hinterher, welche ich dann, wenn gewünscht, gleich an den abgelichteten Menschen verschenke.

Nicht jeder Amateurfotograf ist „frech“ genug, auf Menschen zuzugehen. Haben Sie hier Tipps?

Jan Balster: Ein Partner, der nicht fotografiert, kann hier hilfreich sein. Er kann nach dem Weg fragen oder eine andere Auskunft erbeten – und so ins Gespräch kommen. Sprachen sind sehr nützlich und sind die erste Hürde nach dem Respekt. Für den Anfang tun auch ein Lächeln und zwei, drei Worte in der Landessprache Wunder. 

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Kinder im Freizeitpark                                      Portrait am Lenin-Mausoleum in Moskau

 

Geduld ist das Zauberwort

Klar, es wird nicht immer gelingen, ein Gefühl, dass Sie von einem Ort haben, perfekt zu übertragen. „Erst, wenn der Betrachter ’Ja’ sagt, wenn seine Phantasie auflebt oder er mit diesem Ort, vielleicht andere, eigene Erinnerungen belebt“ sagt Balster, „dann ist ein Reisefoto gelungen“. Für ihn zum Beispiel ist ein Bild dann gut, wenn er es nach vielen Jahren betrachtet und es ihn nicht langweilt. „Dabei muss es sich nicht um ein technisch perfektes Foto handeln“, sagt Balster, „auch ein Fehler tut manchmal gut“. Denn es geht hier letztlich nicht darum, das künstlerisch wertvollste Bild zu schaffen, sondern das festzuhalten, was etwas über den Ort erzählt ...

(Autor: Marius von der Forst, Auszug)

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