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Die murmelnden Mönche

Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk

DVD - Fineart Drucke

 

Burjatien - Knapp 40 Kilometer westlich von Ulan-Ude, an den Ausläufern des Chamar-Daban-Gebirges erhebt sich das zentrale Heiligtum des Buddhismus in Russland: das Lamakloster Iwolginsk. Der Buddhismus ist in Russland eine vergleichsweise junge Erscheinung, in der Baikalregion hat er fast gleichzeitig mit dem Christentum Einzug gehalten, vor etwa 250 Jahren.

Lesetipp Radio Bremen zum Thema: 

Reisen "Heilige Orte" (23.03.2005)

 

 Früh am Morgen, die junge Frau an der Hotelrezeption wiegt sich noch im Schlaf, fährt der erste Bus von Ulan-Ude, der Hauptstadt der Republik Burjatien, über die holprige Landstraße Richtung Iwolginsk. Landarbeiter steigen zu, beladen mit ihren Hacken und Schaufeln, quetschen sie sich auf die Sitzbänke im Bus. Es riecht nach Tabak und Käse. Stille. Nur das Heulen des Motors ist zu hören.


Die murmelnden Mönche - Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk - Russland, Burjatien - Reisereportage

                                       Haupttempel

Die murmelnden Mönche - Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk - Russland, Burjatien - Reisereportage

 zwei Mönche diskutieren

 

 

  

  Knapp 40 Kilometer westlich von Ulan-Ude, an den Ausläufern des Chamar-Daban-Gebirges erhebt sich das zentrale Heiligtum des Buddhismus in Russland: das Lamakloster Iwolginsk. Der Buddhismus ist in Russland eine vergleichsweise junge Erscheinung, in der Baikalregion hat er fast gleichzeitig mit dem Christentum Einzug gehalten, vor etwa 250 Jahren.

 

  Schon von weitem ist das Kloster, 1949 mit dem Segen Stalins gegründet, als ungewöhnliches Bauwerk zu erkennen: eine bunte exotische Insel im flimmernden Licht der eintönig grauen Ebene.


 

  Die Frauen der Mönche

  Hinter dem hohen hölzernen Palisadenzaun erheben sich geschwungene rot-gelbe Pagodendächer. Rund um den Haupttempel kleine Bethäuser und ein hölzernes Schulhaus, Sauna, Bibliothek, dazwischen die Wohnhäuser der Mönche, einige verbunden durch Leinen, auf denen farbenfrohe Wäsche flattert.
  

  Etwas abseits, für den Besucher nicht sofort zu erkennen, sitzen zwei Frauen mit ihren Kindern. Zu sowjetischen Zeiten durften die Mönche heiraten. Die Ehen haben weiterhin Bestand, auch nach der politischen Wende. Neue dürfen nicht mehr geschlossen werden, denn seit 1991 gilt für die Mönche wieder das Zölibat.

  

„Schauen sie sich alles nur genau an“, betont die Burjatin, nicht aufdringlich, eher schüchtern: „Vielleicht können Sie etwas lernen.“ Sie führt den Besucher in einen Raum, klein und niedrig, vollgestopft mit Buddhafiguren und Kerzen, Teppichen an den Wänden und allerlei Trinkschalen und Gebetstrommeln. Darf hier fotografiert werden? Natürlich, aber bitte beeilen, um diese frühe Stunde sieht es niemand. Das bleibt aber eine Ausnahme für Gäste aus dem westlichen Ausland.

 

  Draußen knarren Gebetsmühlen, und an den weiß getünchten, pyramidenartigen Kultstätten, den Stupa, verbeugen sich die Gläubigen und berühren sie mit der Stirn, den Lippen oder den Händen. Sie stehen erhöht, dem Buddha näher. 

 

Die murmelnden Mönche - Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk - Russland, Burjatien - Reisereportage

                                       Gebetsmühlen

Die murmelnden Mönche - Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk - Russland, Burjatien - Reisereportage

 Wohnhaus innerhalb der Tempelanlage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Reiseführer

  Lamakloster Iwolginsk

 

Buddhistischer Glaube

Um acht Uhr im Haupttempel, bewacht von zwei gelb-schwarzen Tigern aus Stein, beginnt das Morgengebet. In der Mitte des Tempels nehmen etwa fünfzig Mönche und Klosterschüler Platz, alle in Gewändern unterschiedlicher Farbe. Rot, blau und orange dominieren. Sie hocken auf langen Bänken in Dreierreihen. Vor ihnen stehen niedrige Tischchen, auf denen sie Papierrollen mit Gebetstexten ausbreiten. An der Stirnseite vor einem prachtvollen Thron hängt ein großes Ölbild, ein Portrait des Dalai Lama, der Ivolginsk 1991 und 1993 besuchte.

 

  Der Gottesdienst selbst wird in tibetischer Sprache abgehalten und erscheint dem Religionsfremden als ein stetig an- und abschwellendes Gemurmel, unterbrochen von zuweilen sanften, zuweilen heftig bis gewitterartigen Akzenten, wofür die verschiedenen Gongs, Becken und Glocken eingesetzt werden.

 

   In der ersten kurzen Pause reicht der Zydyp-Lama den Mönchen heißen Tee mit Zuckerstückchen und eine Scheibe Brot. Zwei junge Mönche werfen sich ehrfurchtsvoll zu Boden, richten sich wieder auf und wiederholen die Zeremonie, immer auf den Großen Buddha blickend.

 

   Zum Ausgang hin sollte man sich gemäß des buddhistischen Glaubens im Urzeigersinn bewegen, vorbei am Hinweisschild: „Achten Sie den buddhistischen Glauben, wenn Sie diese Tempelanlage besichtigen“, in Russisch, Mongolisch und Englisch. Und darunter steht geschrieben: „200 Rubel für zwei Fotos, 500 Rubel für fünf Fotos.“ Noch vor der Treppe ins Freie fragt ein alter, in einen roten Umhang gehüllter, kahlgeschorener Mönch: „Fotoerlaubnis?“

 

   "Zeiten haben sich geändert"

Lama Kloster Iwolginsk - Burjatien - Russland - Reiseführer - DVD - touristische Informationen

Lamakloster Iwolginsk

Das Lama-Kloster Iwolginsk ist sicher eines der interessantesten, wenn nicht gar das Interessanteste, Kloster des Buddhismus. Dieses hat gleich zwei Besonderheiten, welche es in keinem anderen buddhistischen Kloster der Welt gibt: Einen Leichnam eines Lamas, der seit 1927 keine Spur einer Verwesung zeigt und Mönche, die verheiratet sind und Kinder haben.

Das Kloster, deren Mönche, besonders die Verheirateten, sehr zugängig sind, zeigt ein interessantes Stück Geschichte, Leben des Lamaismus und der Lehren der Tibetischen Medizin.

 

  „Nehmen Sie es ihm nicht übel“, sagt die Burjatin. „Bis zum Tauwetter unter Gorbatschow ging es uns schlecht hier“, erzählt sie, bis dahin war die Verbreitung buddhistischer Schriften und die Ausbildung junger Priester verboten. Diese wurden in der Mongolei unterrichtet. Heute leben hier neben 50 Mönchen und dem Hambo-Lama, dem obersten Lama Russlands, auch zwanzig Eleven, die an der klostereigenen Schule zu Priestern reifen werden.

 

  „Die Zeiten haben sich geändert“, erzählt ein zehnjähriger Eleve: „Wir dürfen heute sogar nach Indien, Thailand und Burma reisen, um uns zu vervollkommnen.“

murmelnde Mönche - Moskauer Deutsche Zeitung

 

 

 

 

 

 


  Der Tag beginnt. Noch einmal erinnert der alte Mönch daran, eine Spende an der Tempelkasse einzuzahlen, gleich ob Dollar oder Rubel, gegen Quittung. Verkaufsstände werden aufgebaut, das kleine Gasthaus gegenüber dem Nebentor am Buswendeplatz eröffnet. Mönche kommen aus dem Tor, gehen geradewegs zum Gasthaus, kehren zurück, mit einer Flasche Cola unterm Arm, und verschwinden wieder. Dann kommt der Bus. Zurück nach Ulan-Ude.

 

 

Veröffentlicht:

 

8. Juli 2004 - 

Moskauer Deutsche Zeitung

 

Heft 112 - 

Dezember 2004 -

Trotter

 

 

Die murmelnden Mönche - Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk - Russland, Burjatien - Reisereportage

                                       Stupa

 

Die murmelnden Mönche - Zu Besuch im russischen Lamakloster Ivolginsk - Russland, Burjatien - Reisereportage

 Mönche auf dem Weg zum Tempel

 

 

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