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Begegnungen am Schienenstrang

20 000 km mit der Transsibirischen Eisenbahn

von Ulan - Udé nach Wladiwostok

Poster - DVD - auf echtem Fotopapier

 

 

 

Am Kilometerstein 5647 liegt die Hauptstadt der Republik Burjatien: Ulan-Udé. Hier befindet sich nicht nur der Abzweig zur transmongolischen Route, die über die Mongolei nach China führt, nein. Knapp 40 km westlich der Stadt, an den Ausläufern des Chamar-Daban-Gebirges erhebt sich das zentrale Heiligtum des Buddhismus in Russland, das Lamakloster Ivolginsk.

 

Irina, die Brovodniza, hatte ich wieder. Der Zug war inzwischen einmal die Strecke von Moskau nach Wladiwostok und zurück und wieder nach Ulan-Udé gefahren. Nochmals hatte ich in ihrem Waggon ein Bett gefunden. Und wieder war ich nach Osten unterwegs. Eine Reise in die große Natur der Russen, seine extrem schwankende Unausgeglichenheit, inmitten seiner Gleichgültigkeit dem Begriff Zeit gegenüber, dem Irgendwie wird es schon gehen, das sich in ihren schwermütigen Liedern in Melancholie ausdrückt. Wenn ich abends die Gardine zuzogen und sich das Sonnenlicht über die Birken, Wüsten oder Sümpfe legte, so schien es mir, als ich sie morgens wieder öffnete, ich wäre keinen Kilometer gefahren.

  In Svobodnaja war Irina aufgeregt. Sie schrie in den Gang, und die Abteiltüren öffneten sich. Ihre Stimme hob und senkte sich: „Passen Sie auf Ihre Kinder auf.“ Und sie berichtete von Unfällen, wo sich Kinder ein Auge ausstachen, als sie vom obersten Bett hinabturnten. „Blutige Köpfe sind noch harmlos“, meinte sie. Die Eltern mögen ihre Kinder bitte vor dem Zughalt zur Toilette schicken: „Der Fahrplan hängt in jedem Waggon gegenüber dem Brovodnikabteil aus“, faucht sie: „Ich muss dafür aufkommen, wenn jemand die Toilettentür aufbricht.“ Dann senkte sich ihre Stimme. Nadja, ein sechsjähriges Mädchen, das neben ihr stand, blickte traurig. Da lächelte Irina. Nadja auch. Und beide schlossen sich in ihre Arme.   

 

 

 

 

Reiseführer

Transsibirische Eisenbahn

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Moskau - Baikal - Wladiwostok - Ulan-Bator - Peking

Was für ein Traum, die Transsibirische Eisenbahn. Die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung. Die weite des Landes, die russische Seele. Eine Reise durch acht Zeitzonen, 9258 km bis tief nach Sibirien oder Chinas Hauptstadt Peking.

 

detaillierte Reiseinformationen

Transsibirische Eisenbahn - Russland - Transsib

Männer am Bahnsteig

„Ab Chabarovsk ist der Amur beschiffbar“, erklärte mir Gregori: „die Schiffe müssen genau in der Fahrrinne schiffen. Zum Ausbaggern ist kein Geld vorhanden.“ Und Natascha, die er liebevoll Nastinka nennt, stimmte ihm zu. Er ist Lehrer für Japanisch an der hiesigen Sprachschule, und sie unterrichtet die Schüler der Grundschule in Literatur und russischer Sprache. „Uns geht es besser als den meisten unserer Leute“, meinte Natascha, während sie sich ihre schwarzen, langen Haare durchbürstete. Sie haben eine hübsche Wohnung, ausgestattet mit der Technik eines westlichen Appartements, im ersten Stock. Vor der Haustür parkte ihr gemeinsames Auto, das Lenkrad auf der rechten Seite, Import aus Japan, wie die meisten Einwohner Ostsibiriens. Und jedes Jahr fahren sie zu seinen Eltern, die eine Hütte in der Wildnis besitzen, 600 km nördlich von Chabarovsk für sechs Wochen in die Ferien. „Zwei bis drei Mal im Jahr reisen wir dann noch nach Japan“, fügte Gregori stolz hinzu.

Ich wollte hinaus fahren mit dem Schiff, auf die andere Seite des Amurs, dahin wo das Ufer nicht bebaut ist. Vielleicht ein wenig baden im 14°C kühlen Wasser des Flusses oder einfach nur ausspannen von den langen Zugfahrten der vergangen Wochen. Nichts da. Die Fahrpläne an den Anlegestellen blieben mir ein Geheimnis. So kaufte ich einen 0,5 Liter Becher, gefüllt mit Kwass, einem russischen Erfrischungsgetränk aus gegärtem Brot, an einem der Kesselwagen, die ich beinah an jeder dritten Straßenecke in der Stadt vorfand. Damit setzte ich mich an den Strand.

Zurück im Hause Gregoris und Nataschas, wo ich einige Tage lebte, Gregori schmunzelte. Ein Anruf seinerseits klärte meine Unsicherheit. Und so kam ich am folgenden Tag doch noch in den Genus auf dem Amur, vorbei an verfallenen Anlegestellen und einsam in ihren Kähnen sitzenden Anglern, zur mit 2,6 km, somit längsten Brücke Russlands zu schiffen.

 

 

Transsibirische Eisenbahn

zwischen Ulan-Udé und Chabarovsk

Der Zug passierte Flüsse und kahle Felsen, nur wenige Kilometer ist die Grenze zu China entfernt. Wo man bei gutem Wetter entlang der Bergkette die russischen Wachtürme erkennen kann. Verarmte Stationen, auf denen die Einwohner nahe gelegener Dörfer ihre Waren, den kurzzeitig aussteigenden Reisenden feil boten, säumten den Schienenstrang. Ich dachte an die Menschen, deren Schweiß in der Bahnstrecke begraben liegt. Wie viele haben beim Bau ihr Leben verloren, wie viele wurden von den schweren Rädern eines Zuges, noch im Sprung von den Gleisen, aus ihrem Leben gerissen? Menschenschicksale. Verbannte, unloyal gegenüber den Herrschenden des Landes, Verarmte, deren letzte Hoffnung der Bahnbau war, Arbeit und Brot zu finden, Taschendiebe und Spieler, Schmuggler und Träumer. Doch alles das ist nichts gegen ihren unbändigen Willen zum Leben und den Stolz auf ihre Hände Arbeit, der sich den Menschen dieses Reiches Russlands in ihrem Handeln ausdrückt.

Alles begann 1891 in Wladiwostok, als Zarewitsch Nikolaj mit einer vollgeschaufelten Schubkarre symbolisch das Jahrhundertprojekt eröffnete. Wladiwostok, beherrsche den Osten, lautet die Übersetzung aus dem russischen, das Tor zum Pazifik, zu Sowjetzeiten nicht nur gesperrt für Ausländer, wichtigster Flottenstützpunkt der Marine und ohne Zweifel, eine der interessantesten Städte Russlands.

Der Bahnhof wurde aufwendig restauriert, der erste oder letzte Eindruck eines Transsib-Reisenden. Auf den Bahnsteigen streunten Hunde, selbst gezeichnet von den Kollisionen mit den Zügen, umher, Menschen saßen auf ihren blauweiß karierten Taschen, der Zugansage lauschend und Kinder tollten neugierig zwischen uns beiden, Dina und mir, umher. Sieben Tage und sieben Nächte ist die Hauptstadt entfernt, doch hier, ist sie schon da, wie an jeder Uhr, in jedem Bahnhofsgebäude entlang der Transsibirischen Einsenbahn, die Moskauer Zeit.

 

Und als ich am 10. Juni des vergangenen Jahres die Grenze zu Deutschland mit dem Zug überquerte, schaufelte die Sonne wohl soviel Hitze in die Landschaft, dass mein Gegenüber kommentierte, noch eben beantwortete ich seine Frage nach unserem woher, mit den Worten: „Da gibt es doch nichts zu sehen. Da haben die Deutschen '44 doch alles platt gemacht.“

 

 

 

Transsibirische Eisenbahn - Russland

zwischen Chabarovsk und Wladiwostok

 

 

 

Transsib / Russland

auf DVD

7,95 Euro

DVD Russland Information

Informationen zur DVD Russland

 

Oktober 2004 - Trotter, Heft 111

 

Sie erreichen mich unter jan-balster (AT) auf-weltreise.de

 

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"Iswestija" 8. Mai 1998:

"Russland hat trotz allem Glück - es hat Erdöl, Erdgas, Holz - und seine Frauen!"

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